Gladio - Die Geheimarmee der NATO

Foto = ila-web.de

Während des Kalten Krieges zwischen 1947 und 1989 gründeten westeuropäische Geheimdienste unter der Führung der NATO, der CIA und der britischen MI6 diverse paramilitärische Geheimorganisationen, die bei einem Einmarsch der Sowjetunion Attentate durchführen sollten. Die in Italien aktive Einheit "Gladio" gehört nur zu eine von vielen dieser sogenannten "Stay-behind-Organisationen".

Unter Stay-behind-Organisationen versteht man paramilitärische Widerstandsorganisationen, die im Falle eines Einmarschs durch fremde Truppen für Aufklärung sorgen und Sabotageakte verüben sollen. Die Einheiten bleiben während des Vormarschs verdeckt und tarnen sich unter den Zivilisten.

1990 untersuchte der italienische Untersuchungsrichter Felice Casson die Terroranschläge zwischen 1960 und 1980 und stieß im Archiv des italienischen Geheimdienst SISMI auf Dokumente, die auf eine paramilitärische Organisation namens "Gladio" hinweisen. Im selben Jahr informierte der italienische Premierminister Giulio Andreotti  die Öffentlichkeit über die Existenz dieser Geheimarmee.

Nach dieser Aufdeckung wurden auch viele andere Stay-behind-Organisationen enthüllt. Es wurde berichtet, dass die Existenz dieser Untergrund-Armeen strikt geheim und nur wenigen Regierungsmitgliedern vertraut waren. Europaweit wurden geheime Waffendepots für diese Armeen angelegt. Zusammen mit der amerikanischen Special Forces und der britischen Special Air Service wurden diese Armeen in  Capo Marrargiu auf Sardinien und im Raum von Bad Tölz in Bayern von den jeweiligen Offizieren trainiert.

Darüberhinaus gab es auch zivile Unterstützer, die bei einem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes aktiviert werden sollten. Sie hatten unter anderem Kenntnisse über die geheimen Depots, waren im Besitz von Funkgeräten und gewährten Unterschlupf für die paramilitärischen Einheiten.

Deutschland

Auch in Deutschland wurden einige dieser Stay-behind-Organisationen aufgedeckt. Der ehemalige Staatsminister im Bundeskanzleramt Lutz Stavenhagen verfasste im Jahr 1990 einen Bericht über diese Organisationen in Deutschland. In diesem Bericht heißt es, dass Die deutschen Einheiten wie der Geheime Widerstand, Kibitz, Gruppe 27 oder der rechtsextreme Bund Deutscher Jugend  seit 1956 dem NATO-Hauptquartier und der BND unterstehen und für einen Einmarsch des Sowjetunion ausgebildet und finanziert werden.

In ganz Westdeutschland wurden geheime Waffen- und Versorgungsdepots versteckt. Diese beinhalteten unter anderem  Waffen, Sprengstoff und Funk- und Morsegeräten.

Der Bund der deutschen Jugend wurde im September 1952 aufgedeckt, als der ehemalige SS-Angehörige Hans Otto aus dem Technischem Dienst (TD) aussteigen wollte, eine Unterorganisation der BDJ. Er erklärte der Kriminalpolizei, dass er einer politischen Widerstandsgruppe angehört, die bei einem Vormarsch der Sowjetunion Sabotageakte durchführen und Brücken sprengen sollten.

Er erklärte zudem, dass etwa 100 Mitglieder der Organisation politisch geschult und in der Bedienung von amerikanischen, sowjetischen und deutschen Waffen unterwiesen und in der Nähe von Wald-Michelbach unterrichtet werden. Die Mitglieder dieser Organisation waren hauptsächlich ehemalige Offiziere des NS-Regimes. Otto erzählte der Polizei, dass amerikanische Geheimdienstmitarbeiter für das Geld und den größten Teil der Ausbildung und Ausrüstung sorgen. Ihnen wurde beigebracht zu töten, ohne Spuren zu hinterlassen. Bei einer Razzia der deutschen Polizei fand man schließlich unter anderem im Odenwald geheime Waffendepots mit Maschinengewehren, leichten Artilleriegeschützen, Sprengstoff und Munition.

Der ehemalige Agent des BND Norbert Juretzko war Anwerber des BDJ. Seinen Angaben nach rekrutierten sie meist rechtsextrem eingestellte Bürger, um die antikommunistische Ausrichtung der Organisation sicherzustellen.

Norbert Juretzko, ein ehemaliger Agent des Bundesnachrichtendienstes, war Anwerber für Unterstützer des BDJ-TD in Deutschland. Seinen Angaben nach rekrutierte er diese unter konservativ oder rechtsextrem eingestellten Bürgern, um die als notwendig gesehene streng antikommunistische Ausrichtung der Organisation sicherzustellen. Sie hätten eine Funkausbildung und ein militärisches Funkgerät erhalten und im Ernstfall vor Allem Kommunikationsaufgaben übernehmen sollen.

Ähnliche Stay-behind-Organisationen wurden in Belgien, Griechenland, Luxemburg, Spanien, Türkei, Schweiz, Österreich und den Vereinigten Staaten aufgedeckt.

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